Sonntag, 7. Januar 2018

15 einfache Tipps und Empfehlungen fürs Fotografieren aus dem fahrenden Auto

Fotografieren aus dem fahrenden Auto (nur als Beifahrerin natürlich!) mag ich immer wieder und lasse mich auch durch die oft schwierigen Bedingungen nicht davon abbringen. Wie kommt es dazu und wie sind die Resultate?

Hier gebe ich euch eine kurze Einführung, dann die besten Tipps und Empfehlungen und zum Schluss einige interessante Beispiele aus der Praxis.


Unterwegs begegnen uns im Vorbeifahren die schönsten Landschaften, Stimmungen und Fotosujets. Je nachdem, wie nahe oder weit weg Berge, Lichter, Häuser, Bäume, Seen,... entfernt sind, flackern sie nur für Sekundenbruchteile auf oder ziehen langsam vorbei. Zu gerne möchte ich jeweils all diese Eindrücke - auch fotografisch - festhalten! Kennt ihr das... und geht es euch auch so?


Anhalten geht längst nicht jedes Mal: ob aus Sicherheitsgründen, oder auch, weil es oft ein Ziel gibt, welches wir in einer gewissen Zeit erreichen möchten. Wie kann ich dennoch aus dem fahrenden Auto schöne Landschaftsfotos aufnehmen?


Für mich ist die Sache klar:
Einige meiner liebsten Fotos habe ich aus dem fahrenden Auto aufgenommen! (wie ihr zum Beispiel bei meinen schönsten Fotos aus dem zweiten Halbjahr 2017 (hier) sehen könnt...) - Und mit meinen 15 einfachen Tipps und Empfehlungen fürs Fotografieren aus dem fahrenden Auto könnt ihr das auch.

 

15 Einfache Tipps und Tricks für schöne Fotos aus dem fahrenden Auto


Einige einfache Tipps und Empfehlungen, die euch helfen können, auch aus dem fahrenden Auto heraus schöne Fotos aufzunehmen, habe ich euch hier zusammengestellt. Bewusst verzichte ich darauf, zu sehr in technische Details zu gehen. Manche der Tipps tönen vielleicht auf den ersten Blick simpel, werden jedoch in der Praxis oft vergessen:

1. Sicherheit: Fotografiert auf jeden Fall nur als Beifahrer! Ausserdem gilt: Lenkt euren Fahrer nicht ab, behindert ihn nicht, haltet ihm die Sicht frei und befolgt seine Anweisungen! Genauso wichtig: Fotografiert oder filmt keine Unfälle oder Aufräumarbeiten, verlangsamt im Strassenverkehr nicht die Geschwindigkeit, behindert, fotografiert oder bedrängt weder Rettungsleute noch andere Verkehrsteilnehmer! - Alles Dinge, die absolut Selbstverständlich sein sollten, aber nicht oft genug wiederholt werden können.

2. Nicht blitzen! Gegen die Scheiben erreicht ihr damit nichts als Spiegelungen. Auch das sollte selbstverständlich sein, ich sehe es aber immer wieder, zum Beispiel bei Aussichts-Plattformen oder in Gebäuden.

3. Autoscheiben möglichst sauber halten. Wascht das Auto oder wenigstens die Scheiben vor der Abfahrt. Auch unterwegs steht an Tankstellen oft ein Wasserkessel mit Abwischer oder zur Not geht für zwischendurch auch ein Feuchttüchlein.

4. Eher dunkle / unifarbene Kleidung tragen. So vermeidet ihr, dass später auf dem Foto zum Beispiel euer in der Scheibe gespiegeltes Streifen-Shirt auftaucht. Auch andere möglicherweise störenden oder spiegelnden Elemente gilt es zu entfernen: Dinge (z.B. eine Landkarte) auf dem Armaturenbrett, spiegelnde, metallische Gegenstände irgendwo im Auto, usw

5. Idealen Blickwinkel finden, um Licht-Spiegelungen zu vermeiden: Je nach Sonneneinstrahlung lassen sich Spiegelungen auf den Autoscheiben nicht vermeiden. Gegenlicht ist zum Beispiel sehr schwierig. Findet die ideale Position, fotografiert an störenden Spiegelungen oder allenfalls Flecken vorbei, zoomt etwas, oder weicht aus auf eine andere Scheibe: ist gerade die Sicht durch das Seitenfenster oder die Frontscheibe besser? Bei nicht allzu hoher Geschwindigkeit und moderaten Temperaturen könnt ihr auch einmal die Seitenscheiben herunterlassen.

6. Nutzt die technischen Hilfsmittel, welche euch zur Verfügung stehen! Hat eure Kamera einen Bildstabilisator? Der ist jetzt sehr hilfreich. Auch eine schnelle Aufstart- und Auslösegeschwindigkeit kommt euch nun entgegen (das mag ich an meiner Panasonic Lumix dmc fz1000 sehr!) Auch ein Polfilter kann (sehr begrenzt) etwas helfen gegen unerwünschte Spiegelungen.

7. Doch etwas Technik: Je mehr Licht draussen zur Verfügung steht, umso besser - und damit einhergehend: je kürzere Belichtungszeiten möglich sind, desto besser. Allenfalls könnt ihr die ISO - Empfindlichkeit der Kamera etwas hochstellen - dadurch wird jedoch auch das Bildrauschen zunehmen. Gerade spezielle Lichtstimmungen sind leider oft schwierig zu fotografieren. Selbst verwende ich normalerweise den Automatik-Modus der Kamera - zu schnell können sich die Lichtverhältnisse ändern, um sie manuell einzustellen. Ich weiss aber, dass andere Fotografen lieber manuell einstellen. Probiert aus, was für euch am besten funktioniert.

8. Geschwindigkeit: Je langsamer ihr unterwegs seid, desto besser werden die Ergebnisse. Wenn ihr weit und breit alleine unterwegs seid (also vor allem niemand hinter euch fährt! -> Kurzer Rückblick auf Tipp Nr. 1: Sicherheit!)  und ihr durch eine atemberaubende Landschaft unterwegs seid, spricht nichts dagegen, auch einmal die Geschwindigkeit zu reduzieren. Viel Zeit verliert ihr dadurch nicht, versprochen!

9. Motive in der Ferne bewegen sich optisch viel langsamer an euch vorbei, als Motive direkt am Strassenrand. Konzentriert euch deshalb eher auf Objekte oder Landschaftsteile weiter weg, wählt den Bildausschnitt entsprechend oder zoomt leicht heran. (Achtung, hier kommt schnell Punkt Nr. 7 wieder zum  tragen: zoomen braucht mehr Licht / höhere Belichtungszeiten) So habt ihr bessere Chancen auf scharfe Fotos.

10. Gestaltungselemente: Es muss kein Geheimnis sein, dass ihr aus dem Auto fotografiert habt... gerade die dadurch entstehenden Effekte könnt ihr gut auch als Gestaltungselemente einsetzen. Verwischtes Gras am unteren Bildrand macht die Geschwindigkeit deutlich, ein Teil der Motorhaube mit auf dem Bild kann erst zeigen, wie steil die Strasse wirklich war oder wie abenteuerlich sich die Fahrt angefühlt hat und Wassertropfen auf den Scheiben können absichtlich ins Bild integriert werden.

11. Kleine Störenfriede tarnen: Kleine helle Spiegelungen auf der Scheibe könnt ihr vielleicht in einer Wolke "verstecken" oder einen kleinen dunklen Fleck in einem Waldgebiet... so sind sie auf dem fertigen Foto kaum mehr zu sehen. Spielt auch hier etwas mit dem Bildausschnitt - es muss ja nicht gerade die helle Spiegelung mitten im Wald oder der dunkle Fleck in der Wolke zu sehen sein. Je mehr ihr den Fokus auf den Horizont oder einen Punkt weit weg richtet, desto mehr verschwinden und verschwimmen auch kleine Flecken auf der Scheibe.

12. Seid bereit! Die ganze Fahrt über mit eingeschalteter Kamera zu warten, ermüdet nicht nur euch, sondern auch den Akku. Schaut und denkt dafür voraus, entwickelt Fantasie und ein gutes Auge für mögliche interessante Motive und nehmt dann die Kamera rechtzeitig zur Hand. Ihr fahrt auf eine grosse Stadt zu? In der Ferne taucht das Meer auf? Schon von weitem fällt euch dieser riesige, knorrige Baum ins Auge? Ein Wetterwechsel zeichnet sich ab, oder die Sonne geht langsam unter und das Licht wird so schön? - Jetzt!

13. Mut zum unperfekten Foto... Wenn ihr aus dem Auto fotografiert, kann nicht immer alles nach Plan gehen und klappen. Habt Mut, probiert herum und wagt es, auch wenn ihr schon wisst, dass die Bedingungen schwierig sind. Nutzt die Chance auf ein spezielles Foto, auf ungewöhnliche Blickwinkel und Motive. Manches meiner so entstandenen Fotos wird wohl nie einen Preis für technische Perfektion gewinnen, ist mir aber eine liebe Erinnerung! Und für mich persönlich sind diejenigen Fotos die schlechtesten, die gar nicht aufgenommen wurden...

14. Die guten auf den Speicher, die schlechten löschen: Aus dem Auto heraus werdet ihr mehr Fotos aufnehmen als sonst - und viele davon werden wirklich nicht gut herauskommen. Was habe ich schon alles an Strassenpfosten, Büschen und Zäunen auf meinen Fotos erwischt... - Egal! Löscht die schlechten in einer ruhigen Minute und freut euch an den übrig gebliebenen guten, spannenden, aussergewöhnlichen Bildern.

15. Nachbearbeitung: Für aus dem Auto aufgenommene Fotos ist im Durchschnitt wohl auch für zurückhalende Nutzer von Fotoprogrammen etwas häufiger / mehr Bildbearbeitung nötig, als sonst. Wie schnell ist ein Horizont schräg gerutscht oder der Bildausschnitt stimmt nicht genau nach eurer Vorstellung. Durch die Scheiben kann es auch passieren, dass die Farben eines Fotos etwas flauer scheinen als sonst. Das lässt sich meist mit wenigen Klicks erledigen.


Konnte ich euer Interesse wecken oder verstärken? Dann kommen wir nun zum schönsten Teil:


Interessante Foto - Beispiele aus der Praxis:


Eines meiner liebsten Australien-Fotos von unterwegs... Schwierig waren gleich drei Faktoren: schwaches Licht am Abend, Gegenlicht durch die tief stehende Sonne und einige Tropfen auf der Scheibe. Dadurch, dass die Lichtmessung am hellsten Punkt vorgenommen wurde, blieben fast nur Silhouetten übrig und die Wassertropfen reflektieren fein die Sonne.

Gleiche Zeit, gleiche Lichtverhältnisse, aber einmal in Richtung Westen und einmal in Richtung Osten fotografiert. Für ein gleichmässig ausgeleuchtetes Foto während der Fahrt (Bild rechts) hat das Licht definitiv nicht mehr gereicht.
Ein Fleck rechts oben auf dern Windschutzscheibe störte mir das Bild gewaltig... mit einer kleinen Änderung der Kameraposition im Auto ist der Fleck auf dem nächsten Foto ausserhalb des Blickfeldes und somit nicht mehr vorhanden.







Links lagen Reiseunterlagen und eine Landkarte von Australien auf dem Armaturenbrett, rechts die gestreifte Handtasche auf meinen Beinen. Beides spiegelte sich durch das helle Licht in der Windschutzscheibe und störte damit das Foto.
Vorbeirauschendes Gras im Vordergrund / Blick aus dem Auto auf die abfallende Strasse / Blick aus dem Auto auf die steil aufsteigende Strasse / Blick aus dem Auto auf die Sandpiste... Man darf durchaus auch sehen, dass aus dem Auto fotografiert wurde, das gibt dem Bild etwas "Action"
Die beiden Bilder der Harbour Bridge sind nicht perfekt... im linken Bild ist zum Beispiel oben rechts eine Spiegelung zu sehen... dennoch hätte ich auf keinen Fall auf die Fotos verzichten mögen! Wann fährt man schon mal über die Harbour Bridge und hat diese Sicht?
Oh, wie mich diese fast unendlichen Weiden in Australien mit hunderten oder tausenden Tieren beeindrucken!
Ein typisches Beispiel dafür, wie viel besser die Bildqualität im Hintergrund des aus dem fahrenden Auto aufgenommenen Fotos ist (rechts) als im Vordergrund (links).

Wenn mir weitere Beispiele begegnen, werde ich sie hier in Zukunft gerne ergänzen.

Liebe Reisegrüsse, Miuh


Kommentare:

  1. Liebe Miuh,
    danke főr deine Tipps.
    Ich bin auf der Reise immer Beifahrerin, ich traue mir im Ausland nicht zu fahren, da mich unerwartete Situation sehr nervés machen, mein Mann ist dagegen immer ruhig.
    Also, ich habe wáhrend der ganze Fahrt meine Kamera auf dem Schoß und mache Bilder, wie du aus dem Auto. Wenn ich seitlich ausfotoografiere, dann drehe ich das Fenster runter (auch bei großer Geschwindigkeit und Regen). Nahc vorne ist es immer schwierig. Die Scheibe ist immer sehr schmutzig, putzt du oder nicht, innerhalb kürzeste Zeit ist Staub oder tote Fliegend bedeckt. Diese Bilder sind bei mir meistens komplett unnützbar.
    Liebe Grüße, Flögi

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  2. sehr interessant deine Ausführungen
    aber ich bin Selbstfahrer .. muss daher stehen bleiben ..wenn es geht ;)

    liebe Grüße
    Rosi

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